(Zum Vergrößern und zur besseren Ansicht der Noten und Bilder diese bitte anklicken)

Archiv 1

Alles was gegen die Natur ist,

hat auf die Dauer keinen Bestand

(Charles Darwin)

Vom Wunder der musikalischen Natur

Die Naturklänge

Dargestellt auf der Langnaturtrompete

Der Modus Tromba

(Modus: Maß; Art und Weise, Tonart)

  I. Die Natur der Basler Langnaturtrompeten und vom Wunder der Naturklangreihe -

II. Bachs Spezialtonleiter: Die "Scala der 3. major" -

III. Harmonische (enharmonische) und doppeldeutige Klänge -

IV. Leopold Mozart: "Versuch einer gründlichen Violinschule"

V. Krebsgängiger Canon aus Naturklängen -

VI. Das Tetrachord- und Hexachordsystem aus der Naturklangreihe -

VII. Martin Agricolas "Musica Choralis Deudsch" und die Natur der Musik

Naturklänge | Naturklangreihe (auch Obertöne oder Teilklänge genannt): sind eine Reihe von Klängen, die beim Anreißen resp. Anschlagen einer Saite mit dem Grund-klang mitklingen.

Auf der Langnaturtrompete  entsteht die Naturklangreihe mittels Überblastechnik.

 

Jüdische Silbermünze aus den Jahren 132-135

Dieses Münzbild symbolisiert offensichtlich die 2 Silbertrompeten des Mose

(4 Mose 10. 1-10)

Eingesandt von Richard C. Steuart

Die Basler Langnaturtrompeten

Langtrompeten auf Pauken | Historisches Museum Basel | Naturtrompeten

Copyright Langtrompeten auf Pauken, Historisches Museum Basel,

Foto: HMB P. Porter

www.musikmuseum.ch

Jean-François Madeuf

Jean-François Madeuf ist einer der jüngeren Repräsentanten der französischen Trom- petenschule. Madeuf gehört zu den wenigen Exponenten des Blasens auf der Naturtrompete ohne Zuhilfenahme von unhistorischen Überblaslöchern. Neben seiner internationalen Solistentätigkeit ist er Dozent am Conservatoire National Supérieur Musique et Dance de Lyon und an der Schola Cantorum Basiliensis. 2013 verlieh die Europäische Kulturstiftung Pro Europa Madeuf mit seinem Naturtrompeten-Ensemble der Schola Cantorum Basiliensis den Europäischen Ensemblepreis.

Telemann: "Jede Note einzeln betrachtet, ist ein Klang!"

I. Von der Natur der Basler Langnaturtrompeten

und der von Madeufs Naturtrompeten:

 

Die Naturklangreihe (Obertonreihe)

Das Einmaleins und die musikalische Natur

Die 1er-Reihe:

Die Natur der Basler Langtrompeten und der von Jean François Madeuf

Ein Naturwunder:

   Denn ab der 2. Note einer Naturklangskala (Obertonreihe) bildet jeder nachfolgende Klang in unendlicher Abfolge - entsprechend dem Einmaleins - das Fundament für eine weitere Naturklangskala (Obertonreihe) innerhalb der ursprünglichen 1er Reihe!

                     1er-Reihe: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 etc.

              Neue Naturklangskalen (Obertonreihen) innerhalb der ursprünglichen 1er-Reihe:

                     2er-Reihe: 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 etc.

                     3er-Reihe: 3 6 9 12 15 18 21 24 27 30 33 36 39 42 etc.

                     4er-Reihe: 4 8 12 16 20 24 28 32 36 40 44 48 52 56 etc.

                     5er-Reihe: 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 60 65 70 etc.

                     6er-Reihe: 6 12 18 24 30 36 42 etc.

                     7er-Reihe: 7 14 21 28 35 42 49 etc.

                     8er-Reihe: 8 16 24 32 40 etc.

                     9er-Reihe: 9 18 27 38 etc.

                 10er-Reihe: 10 20 30 etc.

                 11er-Reihe: 11 22 etc.

                  und so fort ...

In Musiknoten dargestellt:

Die Natur der Basler Langtrompeten | Naturtrompete und der von Jean François Madeuf.

Der doppeldeutige 7. Naturklang und Telemanns Neues musikalisches System

Sexta maximum = Septima minor

"Ober-" und "Untertöne"

"Zum Beschluß habe ich noch die Ehre meinen geehrtesten Lesern eine wichtige Wahrheit vorzutragen / von welcher ich mir der Erfinder [Entdecker] zu seyn schmeichle [...] Die Wahrheit lautet also: Die Tone werden im Ohr nach ihren Verhältnissen auf der nervösen Haut im kleinen und zwar verkehrt [gespiegelt] beschrieben ..."

(Lorenz Christoph Mizler, Musikalische Bibliothek, 1. Band, Leipzig 1736/38)

Mehr über Mizler: Archiv 7

                                                           

  Untertöne: eine als mathematische Umkehrung [Spiegelung] der Obertonreihe [Naturklangreihe] zunächst theoretisch entwickelte Reihe von Tönen ... Das Vorhandensein von Untertönen wurde inzwischen experimentell bestätigt.

(Horst Seeger: Musiklexikon in zwei Bänden, Leipzig 1966)

* * *

"Diadromoi - Durchlaufer "

Noch im 18. Jahrhundert wurden die Naturklangreihe als griechisch Diadromoi bezeichnet:

Diadromoi, ... Durchlaufer; also heissen ... diejenigen Schwenk- und Schwebungen, welche eine Saite von sich gibt, wenn sie angeschlagen wird ...

(Johann Gottfried Walther: Musicalisches Lexicon, Leipzig, 1732)

Naturklänge 8 - 14 gespiegelt

+ / X 22. altkanaanitisches -hebräisches Schriftzeichen Taw. Zahlenwert 400.

Relief auf der Innenseite des Titusbogen in Rom. Plastisch-bildhafte Darstellung, wie nach der Eroberung  Jerusalems (70 n. Chr.) durch die Römer das Beutegut aus dem Tempel getragen wird. Rechts im Bild die gekreuzten Silbertrompeten: X
Relief auf der Innenseite des Titusbogen in Rom. Plastisch-bildhafte Darstellung, wie nach der Eroberung Jerusalems (70 n. Chr.) durch die Römer das Beutegut aus dem Tempel getragen wird. Rechts im Bild die gekreuzten Silbertrompeten: X

II. Bachs Spezialtonleiter:

Die "Scala der 3 major " (Tonleiter mit der großen Terz)

"Die Scala der 3 maj. ist, tonus, 2da ein gantzer Ton, 3 ein gantzer, 4 ein halber, 5 ein gantzer, 6 ein halber Ton, 7 ein gantzer ton, 8va ein gantzer Ton."

(Aus "Einige höchst nöthige Regeln vom General Basso di J. S. B.")

Bachs "Scala der 3 major" und die musikalische Natur

Telemann - Bach- Händel Cooperation

Martin Luther und Bachs Scala der 3 major

Martin Luther: Ach Gott, vom Himmel sieh darein. Nach Pslam 12.
Martin Luther: Ach Gott, vom Himmel sieh darein. Nach Pslam 12.

Martin Luthers Choral Ach Gott, vom Himmel sieh darein, fußt auf dem Ton D und steht im Modus g. Luthers Choralmelodie beruht auf dem vorreformatorischen weltlichen Lied Begirlich in dem hertzen min. NB! Mozart verwendet in seiner  Oper Die Zauberflöte Luthers Melodie als Cantus firmus für den fugierten Gesang "Der, welcher wandelt diese Straße voll Beschwerden".

Antonio Soler

Zum obigen Fandango gehörig

Bachs Scala der 3 major resp. Tonleiter mit der Dur-Terz, die sich zusammensetzt aus 1. einem Grundklang, 2. einer großen Sekunde, 3. einer großen Terz, 4. einer kleinen Quarte, 5. einer großen Quinte, 6. einer kleinen Sexte, 7. einer kleinen Septime, 8. einer großen Oktave, beinhaltet sowohl den Dur- als auch den Mollmodus:

Bach: Scala der 3 Major

Der tiefalterierte 13. Naturklang in der Praxis:

Im Enleitungschor von Händels Oper Giulio Cesare, hat das 3. Naturhorn (in D)  in den Takten 35 und 43 den tiefalterierten 13. Naturklang zu blasen. Von Händel als transponiertes gis notiert. Im Oratorium Jephta, beim Chor No more to Ammo's im Takt 52, springt die 1. Naturtrompete (in D) vom 10.- in den tiefalterierten 13. Naturklang. Von Händel als klingend ais'' notiert:

 Zur "Scala der 3 major" gehörig:

Bach und Händel
Bach und Händel | Bach and Handel

Durch die Scala der 3 major wird evident, dass die B-Tonart g-Moll des Agnus Dei in Bachs h-Moll-Messe gegenüber den Kreuztonarten aller übrigen Teile keine - wie es heißt - "fremde" oder "entfernte" Tonart darstellt. Denn aus dem g-Moll löst sich organisch das anschließende D-Dur des Dona nobis pacem heraus.

P.S. Wie übrigens auch der D-Dur Schlußchor Worthy is the Lamb aus dem vorangegangenen g-Moll der Arie If God is for us in Händels Messiah.

III. Harmonische (Enharmonische) und doppeldeutige Klänge

Harmonische (Enharmonische) Fortschreitungen für Violine von hmt

Leopold Mozart

IV. Leopold Mozart

Versuch einer gründlichen Violinschule

(Salzburg 1756)

Leopold Mozart

Leopold Mozart (1719-1787)

"Das eilfte [11.] Hauptstück | Von dem Tremolo [Vibrato]*

   Der Tremolo (a) [das Vibrato] ist eine Auszierung die aus der Natur selbst entspringet und die nicht nur von guten Instrumentalisten, sondern auch von geschickten Sängern bey einer langen Note zierlich kann angebracht werden. Die Natur selbst ist die Lehrmeisterin hiervon. Denn wenn wir eine schlaffe [tiefe] Seyte oder eine Glocke stark anschlagen; so hören wir nach dem Schlage eine gewisse wellenweise Schwebung (ondeggiamento) des angeschlagenen Tones: Und diesen zitternden Nachklang nennt man Tremolo, oder Tremoleto.

   Man bemühet sich diese natürliche Erzitterung auf den Geigeninstrumenten [Streichinstrumenten] nachzuahmen wenn man den Finger auf eine Seyte stark niederdrücket, und mit der ganzen Hand eine kleine Bewegung machet; die aber nicht nach der Seite sondern vorwärts gegen den Sattel und zurück nach dem Schnecken gehen muß ...

   (a) Ich verstehe hierdurch keinen Tremulanten, so wie er in den Orgelwerken angebracht wird, sondern eine Bebung."

  * Im 18. Jahrhundert wurde das "Vibrato" als "Tremolo" bezeichnet!

Das achte Hauptstück

Von den "schnarrenden" Tönen

(Untertöne)

Leopold Mozart: Gründliche Violinschule

V. a) Ein 8 stimmiger krebsgängiger Canon perpetuum aus den Klängen 8-16 der Naturklangreihe

Canon perpetuum | Naturklänge - Obertöne | Langtrompete | Naturtrompete | Naturhorn

                                                                                                  (per HMT 1985)

Johann Gottfried Walther

Johann Gottfried Walther (1719-1787)

 ... ein krebsgängiger Canon ist: welcher vom Anfange nach dem Ende, und vom Ende nach dem Anfange zu, und also auch rückgängig, zugleich kann tractirt werden."

(Johann Gottfried Walther, "Musicalisches Lexicon", Leipzig 1732)

 9 8 7 6 5 4 3 2 1

 1 2 3 4 5 6 7 8 9

                                                                            19

                                                                            28

                                                                            37

                                                                            46

                                                                            55 Unisono | Umkehr

                                                                            64

                                                                            73

                                                                            82

                                                                            91

b.) Der 8 stimmige krebsgängige Canon perpetuum aus den Klängen 8-16 der Naturklangreihe gespiegelt

Helmut M. Timpelan | Canon perpetuum - Naturklänge - Obertöne

                                                                                      (per hmt 1985)

VI. Das Tetrachord- und das Hexachordsystem herausgelöst aus den Klängen  8-15 der Naturklangreihe.

Tetrachord- und Hexachordsystem | Langtrompete | Naturtrompete | Naturhorn

Siehe dazu Archiv 4

VII. Martin Agricolas "Musica Choralis Deutsch" und die Natur der Musik

Martin Agricola Musica Choralis Deudsch

a) Vom versatzten gesang [Ton]

b) Das Neunde Capitel. Von den Acht tonis

c) Der 11. Naturklang bfa-hmi

d) Zwei Tonleitern, B-Dur und H-Dur, aus dem doppeldeutigen 11. Naturklang.

Martin Agricola | Musica choralis deudsch
Kultuerausgrabung: Die Telemann-Bach-Händel-Cooperation hmt

Zum Obigen gehörig:

Martin Agricola "Musica Choralis Deudsch"

Obige Tonleiter im 5. Ton, welche sich wie unsere C-Dur Tonleiter aus 5 Ganz- und 2 Halbtönen zusammensetzt, ist identisch mit der antiken lydischen Tonleiter!

* * *

Martin Luthers Weihnachtslied Vom Himmel hoch, steht im 5. versatzten Ton auf C:

Vom Hiimmel hoch, gesetzt für 4 Naturtrompeten von H. M. Timpelan. Tromba 1, 2, 4 in C und Tromba 3 in D muta C:

Lydisch

Appendix

Beethoven; "An die Freude", gesetzt  für 6 Naturtrompeten und 2 Timpani von hmt

Tromba 1-4 in D und 5-6 in A:

Ludwig van Beethoven

Beethoven; "An die Freude", gesetzt  für 8 Naturtrompeten und 4 Timpani von hmt.

Tromba 1-4 in D,  5 + 6 in C sowie 7 + 8 in A:

Ludwig van Beethoven

weiter zum: Archiv 2