Komponistenverband der UdSSR  |   Wladimir Pantschenko

Unterzeichner: Wladimir Pantschenko, Sekretär des Komponistenverbandes der UdSSR, Moskau 1986.

(Zu W. Pantschenko, siehe Maija Plissezkaja: Ich, Maija, BASTEI LÜBBE 1995, S. 510-512, deutsche Ausg.)

Horst Koegler
Horst Koegler
"Helmut Timpelan - auf daß er uns im Ballett ähnliche Geheimnisse entschlüssle wie im Fall Bach - Händel- Telemann | Horst Koegler - Stuttgart 91/10"
Bundeskanzler Helmut Kohl | Folie d'Espagne

Dem Altbundeskanzler Helmut Kohl wurde der 4-stimmige Canon perpetuum über die Folies d'Espagne übersandt

Marianne Gundermann

Anmerkung zu Händels Aussage Whatever is, is right, im Oratorium "Jephta". (S. Archiv 5)

   "Johanna Rudolph beschließt den 2. Band ["Händelrenaissance - Händels Rolle als Aufklärer"] mit der Frage, warum es statt 'right' nicht 'well' oder 'good' heißt. Sie läßt die Beantwortung aber offen, denn sie sagt zwar, dass die Übersetzung lauten muss: 'Was auch immer ist, ist recht'. Damit spricht sie die Kausalität resp. die Gesetzmäßigkeit an, womit sie aber über den Fortschrittsglauben und Erlösungsgedanken hinausgeht, den sich Marx erträumte. Und so bekennt sie, dass Händel der Realist schlechthin ist, da er gerade in seiner Tapferkeit dafür einsteht, dass das Überwinden der Gegensätze sich erst im Unendlichen vollzieht, also nie."

Wolfgang Henrich, Koblenz, 2. August 2015

                        Wolfgang Henrich © Urheber Verlag Koblenz
Wolfgang Henrich © Urheber Verlag Koblenz

   Johanna Rudolph, eigentlich Marianne Gundermann, geb. 1902 in Crimmitschau, gest. 1974 in Berlin. Jüdischer Herkunft. Händel-Forscherin, Publizistin und Frauenrechtlerin. Mitarbeit als Stenotypistin bei der von Siegfried Jacobsohn gegründeten und später von Carl von Ossietzky herausgegebenen Wochen-zeitschrift "Die Weltbühne". Tätig als Essayistin, Literatur- und Musikkritikerin. Von 1931 bis 1933 Chefredakteurin der auflagestarken feministischen Illustrierten Zeitschrift "Der Weg der Frau". 1933 Emigration. 1943 in Amsterdam verhaftet. Mißglückter Suizidversuch. Von der GESTAPO gefoltert. Überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück. Nach dem Krieg wurde sie in der DDR Mitarbeiterin des Staatlichen Rundfunkkomites sowie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Ministeriums für Kultur. Von diesen Positionen aus engagierte sie sich erfolgreich - in der israelfeindlichen DDR - für die Popularisierung von Händels alttestamentarischen Oratorien, wie etwa: Joseph und seine Brüder (Joseph and his Brethren), Israel in Ägypten (Israel in Egypt), Saul, Salomo (Solomon), Belsazar (Belshazzar), Judas Maccabäus oder Jephta. Für die Interpretation von Händels Oratorien standen ihr der Dirigent Helmut Koch mit dem Berliner Rundfunkchor und dem Sinfonieorchester des Berliner Rundfunks zur Verfügung. Gesungen wurden die  Oratorien in der deutschen Übersetzung von Georg Gottfried Gervinus (1805-1871). Ab 1952 wurde sie Mit-organisatorin der Händel-Festspiele in Halle (Saale). Marianne Gundermann verfasste (unter dem  Pseudonym Johanna Rudolph) - als Andenken an ihren 1923 geborenen Sohn -  die bedeutsame zweibän-dige Studie Händelrenaissance - Händels Rolle als Aufklärer. © Aufbau-Verlag 1960 (I) und 1969 (II).

Marianne Gundermann - Johanna Rudolph

Marianne Gundermann (Ps. Johanna Rudolph). Photo: GESTAPO Düsseldorf 1944.

© Landesarchiv Nordrhein-Westfalen

Marianne Gundermann - Johanna Rudolph

Aktennotiz des Staatsgefängnisses Düsseldorf  vom 19. Juni 1944:

"Die Gundermann Marianne ist am 19. 6. 1944 nach Auschwitz verlegt  worden."

  © Landesarchiv Nordrhein-Westfalen

Marianne Gundermann über Händel

"Man darf bermerken, dass Spätzeiten nichts mit ihm anzufangen wissen. Wohlweislich lässt Thomas Mann den Namen Händel im 'Doktor Faustus' unerwähnt. Händel war zu gesund für den Tonsetzer der bürgerlichen Endzeit  Adrian Leverkühn. Da ist nichts Dunkles und Mystisches, trotz riesiger Dimensionen nichts Wolkiges oder Verfließendes und andererseits auch nichts provinziell Verkrampftes."

   Marianne Gundermann über die Etiketierung Händels als "Barockkomponist"

"Jede Etiketierung Händels als eines Musikers 'des Absolutismus', eines 'Barockmusikers' ["Barockkomponisten"] ... ist unsinnig und verdient so entschieden wie möglich bekämpft zu werden ...  Ausdrücke wie 'Barock', 'alte Musik' in bezug auf Bach und Händel grassieren, vielleicht auch, weil man meint, dem Publikum diese Musik durch 'farbig' oder 'exotisch' wirkende Beiwörter schmackhaft machen zu müssen. Natürlich wird auf solche Weise nur größere Fremdheit dieser Musik gegenüber erzeugt."

("Barock", "baroque" bedeutet laut  einschlägiger etymologischer Wörterbücher: "schwülstig, verspinnert, bizarr" hmt)
Marianne Gundermann - Johanna Rudolph
Johanna Rudolph | Marianne Gundermann

Marianne Gundermann; Schriften zur Musik

Marianne Gundermann - Johanna Rudolph

Nicht gesichert und diffamiert

In der DDR war die Position von Marianne Gundermann keinesfalls gesichert. Denn als beispielsweise 1951 der Abteilungsleiter im Ministerium für Staatsicherheit  Paul Laufer* ihre Akte überprüfte, stellte er missbilligend fest, dass sie Jüdin sei. Nun, nach dem Ende der DDR, wird diese leidgeprüfte Frau auf der offiziellen Website des Händel-Hauses in Halle ebenso infam als "Händel-Ideologin" diffamiert.

*Laufer war der Führungsoffizier von Günter Guillaume, jenem Spion im Kanzleramt von Willy Brandt.

http://www.stattweb.de/files/civil/Doku20160705ge.pdf

Marianne Gundermann als Johanna Rudolph über Händels Oratorium Belsazar:

"Belsazar - das ist die zum Unmenschen herabgesunkene Figur einer vermoderten Ordnung, die sich pathe-tisch auf alten Brauch und Sitte wie auf Freiheit beruft. Den eigenen Staat, die Stadt, das Volk bedenkenlos dem Untergange preisgebend, häuft dieser Typus Frevel auf Frevel:

                                                           Let order vanish; liberty alone,

                                                           Unbounded liberty the night shall crown.

                                                           Laßt Ordnung schwinden: Freiheit heut' uns lacht,

                                                           Ohn' Schranken Freiheit kröne diese Nacht.

Von der Schar jüdischer Sklaven, die anklagende Zeugen des wüsten Gelages mit den geraubten Tempelgefäßen werden, erkühnt Belsazar sich zu sagen: 'They envy liberty they cannot taste', sie, die Judenschar 'mißgönnt die Freiheit uns, die sie entbehrt'. [...]. Einer Nachwelt, welche die unauslöschlichen Schandtaten von Auschwitz, Maidanek und Buchenwald als Gipfel des Abscheus erkennen lernte, bietet sich hier das Schauspiel, wie sich ein Machthaber an der Qual und Erniedrigung der Gefangenen weidet. [...].

Wie im 'Messias' das geschichtlich determinierte 'Halleluja' am Ende des Zweiten Teils, so ist im 'Belsazar' der Perserchor ['Oh glorious prince! - O tapfrer Fürst'] mit seiner gewaltigen Doppelfuge

Marianne Gundermann | Johanna Rudolph

am Schluß des zweiten Akts Höhepunkt des gesamten Werkes. Cyrus hatte die tapfre Schar seiner Krieger aufgefordert, das Schwert nicht mit wüstem Mord zu beflecken, da es nur gelte, den Urheber des Frevels, Belsazar, zu vernichten."  [Cyrus: "To tyrants only I'm a foe." - "Tyrannen nur bin ich ein Feind."].

(M. Gundermann | J.  Rudolph; Händelrenaissance II, Händels Rolle als Aufklärer. Aufbau-Verlag 1969, S. 301 u. 304)

   And war and slav'ry be no more  |  Und Krieg und Sklav'rei wär' verbannt

                                                                       O glorious prince, thrice happy they
                                                                        Born to enjoy thy future sway!
                                                                       To all like thee were sceptres giv'n,
                                                                        Kings were like gods, and earth like Heav'n.
                                                                        Subjection free, unforc'd, would prove
                                                                        Obedience is the child of love;
                                                                        The jars of nation soon would cease,
                                                                        Sweet liberty, beatific peace
                                                                        Would stretch their reign from shore to shore,
                                                                        And war and slav'ry be no more.

                                                                       

                                                                        O tapfrer Fürst! dreifach beglückt,

                                                                         Wer einst dein künftig Reich erblickt!

                                                                         Wär' jeder Thron dem deinen Gleich

                                                                         Dann wär' die Erd ein Himmelreich,

                                                                         Ein frei Geschlecht, ohn Zwang und Not

                                                                         Befolgt aus Liebe dein Gebot:

                                                                         Der Streit der Völker hätt' ein End.

                                                                         Freiheit und Fried' und sel'ge Zeit

                                                                         Trügen ihr Reich von Strand zu Strand,

                                                                         Und Krieg und Sklav'rei wär' verbannt.

(Händel; Belsazar, Schlußchor 2. Akt. Deutsche Übersetzung: G. G. Gervinus u. M. Gundermann)

https://www.youtube.com/watch?v=lYh0g6p93sE

Chor: O tapfrer Fürst.

Großer Chor des Berliner Rundfunks, Runfunk-Sinfonieorchester Berlin, Helmut Koch (Gekürzt)

Der vollständige Chor dieser  Interpretation ist, neben anderen Chören aus Händels Oratorien, unter

https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/art/Georg-Friedrich-H%E4ndel-1685-1759-Ch%F6re/hnum/7212039

zu finden!

Bach und Händel | Bach and Handel
Händel: Belsazar, Finalechor 2. Akt und Bach: Das Wohltemperierte Clavier II, Fuga III

Händels Autograph vom Finalechor 2. Akt aus dem Jephta; mit Alexander Popes Maxime "Whatever is, is right" aus dessen Essay on Man. Mit Händels einsetzender Erblindung verliert seine Handschrift die frühere Sicherheit und Klarheit:

Händel Jephta

Text vom obigen Finalechor 2. Akt aus Händels Jephta.

Verfasser des Librettos: Thomas Morelll

 

   How dark, O Lord, are Thy decrees,
All hid from mortal sight,
All our joys to sorrow turning,
And our triumphs into mourning,
As the night succeeds the day.
No certain bliss,
No solid peace,
We mortals know
On earth below,
Yet on this maxim still obey:
"Whatever is, is right."

 

Deutsche Übersetzung: copyright Wolfgang Henrich, Koblenz, 25.10.2016

 

   Wie dunkel, oh Herr, sind Deine Ratschlüsse,
allzeit verborgen vor uns Sterblichen.
Freuden verwandeln sich in Leid
und unsere Triumphe in Trauer
ganz wie die Nacht dem Tage folgt.
Kein Freud hat Bestand
wie auch kein Friede.
Wir Sterbliche hier auf Erden wissen es nur zu gut,
so dass noch immer die Maxime gilt:
Was immer auch ist, es ist folgerichtig.

Alexander Pope: Essay on Man, Epistle I, Vers 10

   Cease then, nor order imperfection name:
Our proper bliss depends on what we blame.
Know thy own point: This kind, this due degree
Of blindness, weakness, Heav'n bestows on thee.
Submit.—In this, or any other sphere,
Secure to be as blest as thou canst bear:
Safe in the hand of one disposing pow'r,
Or in the natal, or the mortal hour.
All nature is but art, unknown to thee;
All chance, direction, which thou canst not see;
All discord, harmony, not understood;
All partial evil, universal good:
And, spite of pride, in erring reason's spite,
One truth is clear, "Whatever is, is right."